Von April 2025 bis Juli 2026 durften wir am Projekt „RegioHuhn“ teilnehmen. Das Projekt, gefördert durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) soll die Erhaltung der genetischen Vielfalt beim Haushuhn unterstützen und die Produktvielfalt und die regionale Ausrichtung im Ökolandbau fördern. Grundgedanke ist die Kreuzung lokaler Hühnerrassen mit Tieren aus der Wirtschaftsgeflügelzucht der Lege- sowie der Mastrichtung. Damit soll eine Kombination aus der Robustheit und Anpassungsfähigkeit lokaler Rassen und
dem Leistungspotenzial der Wirtschaftsgeflügelzucht erreicht werden. Projektpartner sind das Friedrich-Löffler-Institut, die Uni Kassel, Uni Bonn, der Naturland-Verband und mehrere Landwirtschaftsbetriebe.
Wir hatten im Zuge des Projektes eine Herde von 300 Hähnen aufgezogen und eine Herde von 300 Hennen gehalten, beide aus einer Kreuzung der alten Haustierrasse „Ramelsloher“ und der legebetonten „White Rock“ stammend. Das Ramelsloher Huhn galt von 1900 bis 1920 als „das Wirtschaftshuhn“. Die Tiere sind lebhaft und können dennoch sehr zutraulich werden. Sie sind als anspruchslos und wetterhart bekannt.

Wir hatten große Freude an den Tieren, da sie sich in der Praxis wirklich sehr freundlich und ruhig gaben, wenn man ihnen selbst auch so begegnete. Besuche mit Schulklassen und bei Hofführungen waren ohne Aufregung möglich. Die kräftige Statur und die farbenfrohe Erscheinung sorgten auch immer für einen schönen Anblick.
Aber mit Schönheit lassen sich Futter und Stall nicht finanzieren, deshalb ist ein Blick in die zahlenmäßigen Ergebnisse wichtig, die wir hier gern einmal teilen. Die Hühner dieser 300er Herde haben im ersten Jahr 76538 Eier gelegt. Das sind im Schnitt rund 260 Eier pro Huhn, wenn man Abgänge, insbesondere aufgrund der Hitzewelle Ende Juni, berücksichtigt. Nachfolgende Grafik zeigt die Verteilung der Eiermenge übers Jahr.

Interessant ist der Vergleich: Ein Huhn der üblichen legebetonten Züchtungen legt im gleichen Zeitraum 300…305 Eier, also bei uns mit viel Auslauf in Mobilstall-Haltung. Die Regiohühner waren also nur rund 15 % schwächer, bei ähnlicher bzw. leicht geringerer Futteraufnahme und das ist für eine Rassehuhn-Einkreuzung ein ordentliches Ergebnis.
Wir möchten gern einen Beitrag zum Arterhalt alter Haustierrassen leisten sowie der Abhängigkeit von großen Zuchtkonzernen entgehen, und halten deshalb auch in Zukunft gern wieder Hühner aus ökologischer Züchtung. Mit unseren bisherigen zwei Mobilställen bzw. Herden war es jedoch bisher ein deutlicher Kostennachteil, wenn eine Herde, also die Hälfte des Bestandes, Leistungsnachteile im zweistelligen Prozentbereich, zeigte. In der neuen Struktur mit vier Mobilställen bzw. Herden dank Kooperation mit KoLa Leipzig ist das besser machbar und kostenmäßig verkraftbar. Eine Herde soll beispielsweise ab Mitte 2027 wieder aus ökologisch gezüchteten Zweinutzungshühnern der Rasse Chili bestehen, eine Kreuzung der alten Haustierrasse New Hampshire und dem legebetonten White Rock-Huhn.