Wonach bewerten wir Lebensmittel? Meist nach Aussehen, nach Herkunft, nach Preis, nach Art der Erzeugung usw. Der Nährstoffgehalt spielt vielfach noch keine große Rolle, hat aber für unsere Gesundheit die größte Bedeutung aller Kriterien. Bei Biophilja haben wir uns im letzten Jahr schonmal mit dieser Thematik beschäftigt und eigene Untersuchungen angestellt und veröffentlicht. Nun informieren unsere Kollegen von Crowdfarming ebenfalls gelegentlich dazu und haben gerade ein spannendes und sehr relevantes Interview veröffentlich, und zwar mit Dan Kittredge, Gründer der Bionutrient Food Association. Du kannst es hier nachlesen bzw. -hören. Ich fasse nachfolgend ein paar wichtige Aussagen zusammen (Quelle: crowdfarming.com):
„Bodengesundheit ist Pflanzengesundheit ist Schädlings- und Krankheitsresistenz ist landwirtschaftliche Rentabilität ist Geschmack ist Nährstoffgehalt ist menschliche Gesundheit. Das ist eine einzige Wechselbeziehung.“
„Wir haben 25 verschiedene Kulturen auf Hunderten von Betrieben untersucht und Bodenmetriken und Bewirtschaftungspraktiken überlagert, um herauszufinden, was tatsächlich Nährstoffvariationen verursacht. […] Bio versus Nicht-Bio korreliert nicht. Lokal versus nicht lokal korreliert nicht. Bodentyp ist kein kausaler Faktor. Genetik ist kein kausaler Faktor. Das, was mit Nährstoffvariation zusammenhing, war das Ausmaß an Leben im Boden. Die Funktion des Mikrobioms. Je besser das Land funktioniert, desto gesünder ist die Pflanze und desto nährstoffreicher ist das Lebensmittel, das daraus hervorgeht.
Was hat den allgemeinen Rückgang der durchschnittlichen Nährstoffqualität in den letzten 75 Jahren verursacht?Der Markt hat Landwirte auf der Grundlage von Volumen und Ästhetik bezahlt. Wenn Sie Landwirt sind und Ihren Lebensunterhalt verdienen wollen, werden Sie nicht für die Nährstoffqualität bezahlt. Sie werden für Kilogramm, für Scheffel, für Tonnen und für ästhetische Einheitlichkeit bezahlt. Der Markt hat eine Reihe von Praktiken incentiviert, die in den meisten Fällen der Nährstoffqualität entgegenstehen. Deshalb sind die Durchschnittswerte gesunken.
Fast alle Lebensmittel sind viel schlechter, als sie sein könnten. Die Messlatte ist für alles peinlich niedrig. Die Möglichkeiten zur Verbesserung sind überall, und es ist nicht schwer, viel besser zu werden. Es ist nur eine Frage, wer den ersten Schritt machen will und wie wir zusammenarbeiten können. Und lasst uns mit Demut beginnen. Fangt nicht an, überheblich und arrogant zu sein: „Ich bin Bio, ich bin besser. Ich bin regenerativ, ich bin besser.“
Ihre Forschung hat Sie auch in eine unerwartetere Richtung geführt: Sie argumentieren, dass der menschliche Gaumen tatsächlich ein zuverlässiges Instrument ist. Wie funktioniert das?Etwa 30 % unserer DNA sind mit der Funktion unserer Nase und unserer Zunge verbunden. Das ist kein Zufall. Die Verbindungen, die wir Geschmack und Aroma nennen, Polyphenole und Terpenoide, werden in der Pflanze nur in hohen Konzentrationen aufgebaut, wenn alles andere vorhanden ist. Wenn die volle biochemische Komplexität, alle Vitamine, alle Enzyme, alles andere vorhanden ist, erst dann kann die Pflanze diese Geschmacksverbindungen aufbauen. Gut schmecken und riechen zu können ist im Wesentlichen die Art und Weise der Evolution, Ihnen zu sagen: Wenn Sie dies essen, werden Sie gesünder sein, und Ihre Kinder werden gesünder sein.“
Im englischsprachigen Original-Interview erwähnt Dan Kittredge auch die negative Wirkung von Pestiziden auf das Boden-Mikrobiom, welches ja die bedeutendste Grundlage für nährstoffreiche Nahrung darstellt. Bio-Lebensmittel sind nicht per se nährstoffreicher, aber sie werden ohne Pestizide erzeugt.
Dan beschreibt im Interview weiter, dass Nährstoffgehalte in Zukunft durch einfache Spektrometer und Smartphone- sowie Datenbank-Verbindung verbraucherseitig gemessen werden können, woran seine Gesellschaft momentan arbeitet.
Bis dahin haben wir unsere Zunge als Sensor und Geschmack und Aroma als Bewertungskriterien. Und wir haben Labore, die Nährstoffgehalte analysieren können. Im vergangenen Jahr gaben wir beispielhaft Salat und Möhren zur Analyse. Die Ergebnisse waren erstaunlich und sind nachfolgend nochmal dargestellt. Die Möhren gibt´s bei uns im Hofladen!
(Verglichen wurde ein 1 kg-Beutel Bio-Möhren aus dem Marken-Supermarkt zum Preis von 1,99 € mit einem ca. 1kg schweren Biophilja-Möhren-Bund im Verkaufswert von 3,00 €)
(Verglichen wurde ein Bio-Eisbergsalat aus dem Marken-Supermarkt zum Preis von 2,49 €/Stk mit einem Biophilja-Eisbergsalat im Verkaufswert von 2,50 €/Stk.)